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Immer weniger haben einen fixen Job
Flexible Arbeitsmodelle.

Weil bald die Hälfte der Europäer ohne fixen Vertrag und oft auch ohne soziale Absicherung arbeitet, regt Brüssel neue Mindeststandards an.
 
Brüssel. Ein fixer, unbefristeter Job ist in Europa zu einem immer selteneren Luxus geworden. Die Norm sind zunehmend "untypische" Beschäftigungsformen wie Teilzeit, Zeitarbeit oder Freelance-Verträge - oft ohne soziale Absicherung für den Arbeitnehmer. Dies geht aus einer Studie hervor, die die EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel präsentierte.

Demnach verändert sich die Arbeitswelt in Europa rasant: Im vergangnen Jahr hatten in der EU 40 Prozent der Beschäftigen keinen festen Arbeitsvertrag. 2001 waren es noch 38 Prozent. Beliebteste Beschäftigungsform sind inzwischen Teilzeit-Verträge: Laut Studie sind in den letzten fünf Jahren mehr als 60 Prozent der neuen Jobs in der EU dadurch geschaffen worden. Vor allem Frauen sind davon betroffen: Im Jahr 2005 hatten mehr als 30 Prozent der Europäerinnen einen "Parttime"-Job, unter den Männern waren es weniger als zehn Prozent.
Groß sind die Unterschiede in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten. Am häufigsten sind untypische Beschäftigungsformen in den Niederlanden, wo fast 60 Prozent der arbeitenden Bevölkerung keinen fixen, unbefristeten Job mehr hat. In Estland hingegen liegt der Prozentsatz bei unter 20 Prozent. Österreich liegt mit etwa 37 Prozent "untypisch Beschäftigte" nur knapp unter dem EU-Schnitt.
Weit auseinander gehen in den EU-Staaten auch die Formen der sozialen Absicherungen bei diesen "flexiblen" Arbeitsverträgen: Während in mehreren nordeuropäischen Ländern die Sozialversicherung auch bei zahlreichen befristeten Jobs garantiert ist, haben Arbeitnehmer in vielen EU-Staaten, allen voran in Südeuropa, so gut wie keine Sicherheit.
 
Flexible Arbeitsverträge sind derzeit ein heißes Thema in ganz Europa. Zuletzt hatte der konservative Luxemburger Ministerpräsident Jean-Claude Juncker aufhorchen lassen, als er sich für eine europaweite soziale Grundsicherung der Arbeitnehmer stark machte und die zunehmenden unregelmäßigen Arbeitsverhältnisse in der EU kritisierte. Auch im französischen Wahlkampf sorgt die Diskussion für hitzige Debatten.
Ganz diesem politischen Trend folgend hat die EU-Kommission nun einen neuen Anlauf gestartet, um unter den EU-Staaten und den Sozialpartnern eine Diskussion über die künftigen Aufgaben des Arbeitsrechts in Europa anzuregen. Bis zum Frühjahr soll geklärt werden, wie die EU dazu beitragen kann, minimale Standard für die Sicherheit des Arbeitnehmers zu garantieren und dabei gleichzeitig mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen, wie Kommissar Vladimir Spidla am Mittwoch ausdrücklich betonte.
Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände sind allerdings skeptisch. "Eine Diskussion begrüßen wir. Aber sie sollte nicht darauf hinauslaufen, verbindliche Regeln für die gesamte EU zu schaffen", sagte Berthold Berger-Henoch, Vertreter der österreichischen Industriellenvereinigung in Brüssel zur "Presse". Elisabeth Aufheimer vom Arbeiterkammer-Büro in Brüssel sieht das anders: Für sie kommen im neuen Vorschlag der Brüsseler Behörde die Forderungen nach einheitlichen, verbindlichen sozialen Standards für alle EU-Arbeitnehmer viel zu kurz.

Von unserer Korrespondentin SUSANNA BASTAROLI (Die Presse) 23.11.2006

 
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