|
Dkfm. Dr. Leopold Stieger, Doyen der Personalentwicklung, gründete www.seniors4success.at, eine Plattform für die ältere Generation, die ihre Fähigkeiten, Fitness, Unabhängigkeit und ihren Tatendrang einbringen will – und in rascher Folge von den Unternehmen gebraucht werden wird! „Ich freue mich schon so auf die Pensionierung!" Von vielen Seiten hören wir diesen Satz – und denken uns nichts dabei. Manchmal stimmt er ja auch, wenn jemand schon lange etwas ganz Konkretes vorhat und erst jetzt Zeit dazu findet. Viele aber erleben mit diesem Traum einen Absturz. Nach zwei bis drei Monaten, nach der oft zitierten Weltreise und der Sortierung der Bibliothek, taucht die Frage auf: Wer braucht mich? Und spätestens dann steht die Sinn-Frage im Raum. Gesellschaftspolitisch gesehen ist dies eine ungeheure Verschwendung von Ressourcen, zu deren Aufbau ursprünglich die Steuerzahler viel beigetragen haben und sich nun fragen könnten, warum sie jetzt nichts oder nicht mehr viel zurückbekommen. Ist Arbeit wirklich Leid? Warum freuen sich so viele auf die Pension? Und zwar konkret auch WU-Alumni, die diesen Wunsch äußern, ohne die konkreten Auswirkungen bedacht zu haben? Hat man uns allen von gewerkschaftlicher Seite her erfolgreich eingeredet, dass Arbeit Leid sei und man deshalb alles tun müsse, nur um davon wegzukommen? Aber wohin geht es dann? Menschen leiden, wie wir alle wissen, bei „Über- oder Distress", aber ohne Stress, ohne jedwede Herausforderung, gehen sie letztlich zugrunde. Der „Eustress" wäre das Richtige, aber was bedeutet das konkret für mich? Die Sehnsucht nach einer Flucht aus der Arbeit zeigt sich bei einem demografischen Rückblick sehr deutlich: Berufs-Vorbereitung hat zugenommen, das Berufsleben ist kürzer geworden. Unser Berufsleben wird kürzer! Dies in einer Zeit, wo wir genau wissen, dass die durchschnittliche Lebenserwartung alle dreieinhalb Jahre um ein Jahr wächst! Da tickt eine demografische Bombe, und wir alle schlafen noch immer auf ihr. Betrachten wir die einzelnen Lebensphasen, so hat sich in letzter Zeit eine vierte Phase – vor der Pflegebedürftigkeit – eingeschoben. Diese Menschen sind oft noch fähig, den Mont Blanc zu besteigen oder Marathon zu laufen. Heute ist das durchschnittliche Pensionierungsalter in Österreich 58,1 Jahre. Alle Maßnahmen der letzten Legislaturperiode, diese Ziffer zu erhöhen, haben 0,1 Prozent Steigerung gebracht. Warum? Weil wir heute in Österreich mehr als 400.000 Frühpensionisten aus medizinischer Invalidität haben! Vier statt bisher drei Lebensphasen In den letzten Jahren haben alle CEO’s der Welt bei Auftreten von Kostenproblemen zu einem rasch wirkenden Heilmittel gegriffen: Köpfe raus! Als ob sie alle nichts anderes gelernt hätten. Das Mittel hat stets gewirkt: Ältere (und teure) raus, Jüngere (und billigere) hinein, der Aktienkurs hat diese Maßnahmen stets sofort belohnt. Nur treten jetzt schon – und die OECD sagt dies schon lange voraus – und in Zukunft Probleme auf, weil es nicht genügend qualifizierte Fachleute mehr gibt. Einzelne Branchen spüren dies schon heute. Eine Firma darf die „Ehemaligen" nie verlieren Vor diesem Hintergrund werden Unternehmen in Kürze ihre Ehemaligen nicht einfach nach korrekter Abrechnung ins „Ausgedinge" schicken können, sondern werden sich bemühen müssen, sie noch weiter zu nützen. Nicht als Ersatz für vorhandene Arbeitsplätze, sondern als Kreativ-Werdende für andere Aufgaben, die aber dem Unternehmen nützen. Bis jetzt gibt es kaum Beispiele zum Herzeigen in Europa. Dabei könnte sich ein Unternehmen heute mit diesem Thema profilieren. Übrigens wurde auf einer Tagung in Heidelberg ziemlich klar formuliert, dass HR (Human Resources) absolut nicht als Treiber für dieses Thema fungiert, sondern einzig der, der direkt für den Geschäftserfolg verantwortlich ist. Die scharfe Trennlinie zwischen Arbeit und Pension wird sich wie eine durchlässige Membran aufweichen, durchlässig in beide Richtungen. Initiativen wie www.asep.at vermitteln ehemalige Manager/innen, deren frühere Firmen nützen das Know-how aber in der Regel nicht. Diese Idee, die Ehemaligen zu nützen, könnte dem Modell eines arbeitsfähigen „Alumni-Clubs" entsprechen. Nicht ein Verein von Abgängern, die sich – für ihren Mitgliedsbeitrag – fördern lassen, sondern Menschen, die gefordert werden wollen. Wer alt werden will, muss früh beginnen – und sich fordern! Haben Sie schon bemerkt, dass Menschen, die nie aufhören, sich selbst zu fordern, älter werden? Vor drei Jahren hat man Kardinal König das Mikrofon in die Hand gedrückt, wenn man eine kompetente Aussage zur Kirche in Österreich hören wollte. Niemand hat dabei gesagt: der ist ja schon 97 Jahre alt. Kurz vor seinem Tod konnte ich meinen Dissertationsvater Univ.Prof. Dr. Krasensky besuchen: er wurde 103 Jahre alt. Das Thema ist für das einzelne Individuum, für die Unternehmen, aber auch für die Gesellschaft von höchst brisanter Bedeutung. Ich persönlich werde mich diesem Thema intensiv widmen, nachdem ich mein Unternehmen – die GfP – meinen Söhnen übergeben habe. Besuchen Sie und vernetzen Sie sich mit www.seniors4success.at. Dkfm. Dr. Leopold Stieger
WU Alumni-News Freitag, 29.12.2006
|